Bonn Endenich · Station 1

Stolperstein Maria Skarum

Zülpicher Straße 9, Bonn

Verpflichtender Aufnäher für sogenannte „Ostarbeiter“ aus der Sowjetunion — Copyright: Wikimedia Commons User Mascarada17 (Creative Commons CC BY-SA 4.0); Bildnachweis: Wikimedia Commons, File:Aufnähner.jpg

Maria Skarum wurde 1899 in Kiew geboren. Über ihr Leben dort ist nichts bekannt. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1941 wurde sie als Zwangsarbeiterin nach Bonn gebracht. Sie war älter als viele Zwangsarbeitende, die mit 20-24 Jahren verschleppt wurden.

Der Krieg verschärfte den Arbeitskräftemangel in Deutschland. Die Regierung versuchte, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben. Als das nicht ausreichend gelang, verhaftete die deutsche Besatzungsmacht, gerade in Osteuropa, junge Menschen und deportierte sie nach Deutschland.

1944 war jede dritte Arbeitskraft in Deutschland zwangsarbeitend. Sie wurden je nach Herkunft behandelt. Zwangsarbeitende aus der Sowjetunion hatten kaum Rechte. Kontakt zur Bevölkerung war unter Strafe verboten und sie mussten Aufnäher mit „Ost“ tragen. Die Nationalsozialisten führten den „Leistungslohn“ ein. Zwangsarbeitende bekamen je nach Leistung unterschiedlich viel Nahrung. Kranke oder Geschwächte erhielten immer weniger Nahrung und konnten weniger leisten. Eine Abwärtsspirale begann, die oft in Krankheit und Tod endete. 2,7 Millionen Zwangsarbeitende starben.

Maria Skarum arbeitete nicht in einem Betrieb, sondern als Haushaltshilfe. Das war nicht vorgesehen, da die Arbeitskraft dem Kriegsfortschritt dienen sollte. Es gab jedoch Ausnahmen. Ihr Arbeitgeber hatte als Soldat beide Arme verloren. Sie lebte mit im Haus, um ihn zu unterstützen.

Eine Gefahr für Zwangsarbeitende war die Bombardierung deutscher Städte. Obwohl die Angriffe anderen galten, waren sie schutzlos, denn sie durften keine Luftschutzräume aufsuchen. Maria Skarum starb am 19.12.1944 in der Universitätsklinik an Verletzungen, die sie wohl beim Luftangriff am 18.10.1944 erlitt. Sie wurde am 21.01.1945 fernab ihrer Familie auf dem Nordfriedhof bestattet.