Bonn Endenich · Station 5

Ehemaliges Ghetto im vorherigen Kloster „zur ewigen Anbetung“

Kapellenstraße 44, Bonn

Das Kloster „Zur ewigen Anbetung“ in Endenich — Copyright: [Anonym/Unbekannter Fotograf]; Bildnachweis: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn, FB 172-26

Das Kloster „zur ewigen Anbetung“ in Endenich war ein Benediktinerinnen-Kloster. 1941 wurde es von der Gestapo beschlagnahmt. Die Nonnen mussten ausziehen. Stattdessen wurde das Gebäude zur Zwangsunterkunft für Jüdinnen und Juden aus Bonn und der Umgebung. Sie lebten hier unter beengten Verhältnissen. In den meisten Fällen bestanden solche Lager nur für wenige Tage oder Wochen, um sie dann in KZ zu deportieren. Das Lager in Endenich bestand aber ein ganzes Jahr lang. Die Menschen dort mussten sich selbst verwalten und in Betrieben in der Umgebung Zwangsarbeit leisten. Sie waren den NS-Behörden unterstellt.

Die Internierten durften Teile ihres Hausstandes mitnehmen und bekamen pro Familie eine Klosterzelle zugewiesen. Es fehlte in dem völlig überbelegten Gebäude an Lebensmitteln, Privatsphäre und medizinischer Versorgung. Trotzdem versuchten sich die Internierten so gut es ging einzurichten. Sie feierten Andachten, trieben Sport oder lasen gemeinsam. Sogar eine Katze war mit im Lager.

Insgesamt wurden in der Zeit des Bestehens 479 jüdische Menschen im Ghetto untergebracht. Nur sieben von ihnen überlebten. Alle anderen wurden nach der Deportation in verschiedenen Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet. Das frühere Kloster wurde später von der Wehrmacht als Funkstation verwendet und bei einem alliierten Bombentreffer zerstört. Heute befindet sich hier ein Priesterseminar. In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden sollen in den kommenden Jahren Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum ihren neuen Standort finden.