Bonn Bad Godesberg · Station 2
Stolpersteine Familie Adler
Alte Bahnhofstraße 22, Bonn

Ruth Adler wollte mehr tun als hilflos zuschauen. Sie wurde 1915 in Bremen in eine jüdische Familie geboren. Mit zehn Jahren kam sie nach dem Tod ihres Vaters nach Bad Godesberg. Hier lebte sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder. Ihre Mutter Rosalie führte ein kleines Geschäft für Porzellan und Spielzeug. Nach der Schule ging Ruth Adler für einige Monate zurück nach Bremen.
Dort kam sie in Kontakt mit Jugendlichen, die sozialistisch und politisch links eingestellt waren. Sie trat ihrer Gruppe bei. 1938 zog die junge Frau nach Köln und begann am Jüdischen Krankenhaus in Ehrenfeld eine Ausbildung zur Krankenschwester.
Während eines Aufenthaltes in Frankfurt im Dezember 1938 wurde Ruth Adler verhaftet. Gemeinsam mit anderen hatte sie versucht, heimlich eine Gruppe der verbotenen „Sozialistischen Arbeiterpartei“ aufzubauen. Das war eine den Nationalsozialismus ablehnende linke Partei. Adler wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihre Mutter hatte schon eine Flucht aus Deutschland geplant. Aber nach dem Urteil wollte sie ihre Tochter nicht alleine in Deutschland lassen und blieb. Mutter und Tochter wurden beide 1942 von Bonn nach Minsk deportiert und nahe des Vernichtungsortes Malyj Trostenez ermordet.