Bonn Beuel · Station 6

Ehemalige Jutespinnerei

Siegburger Straße 42, Bonn

Die Beueler Jutespinnerei in einer Abbildung von 1920 — Copyright: Gemeinfrei; Bildnachweis: Stadtarchiv Bonn, DA02 15236

Bonn war als Stadt von der Landwirtschaft geprägt. Große Firmen und Fabriken gab es kaum. Etwas mehr Industrie gab es in Beuel. Zu den größeren Unternehmen zählte hier die Jutespinnerei. Dort wurden Stoffe etwa für Säcke oder Teppichböden hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg lieferte die Fabrik ihre Säcke vor allem an die deutsche Wehrmacht.

Ab 1940 mussten auch hunderte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in der Jutespinnerei arbeiten. Die Jüngsten waren gerade mal 13 Jahre alt. Sie kamen aus den verschiedenen von der deutschen Armee besetzten Staaten. Gearbeitet wurde in Schichten von bis zu 12 Stunden. Die Zwangsarbeitenden lebten auf engem Raum in Baracken zusammen. Die Unterbringung und schlechte Versorgung mit Nahrung und Medikamenten und die harte körperliche Arbeit führten zu Krankheiten. Dazu wimmelte es in den Baracken vor Ungeziefer. Auch die unmenschliche Behandlung durch Vorgesetzte stellte eine Gefahr dar.

All diese Faktoren führten zu einer Reihe von Todesfällen unter den Zwangsarbeitenden. An einige von ihnen erinnern Stolpersteine im Eingangsbereich des Geländes. Die Jutespinnerei wurde 1944 bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Heute ist das Gelände in städtischer Hand.