Bonn Beuel · Station 1

Stolpersteine Familie Herz

Combahnstraße 24, Bonn

Ruth und Raphael Herz — Copyright: Wilhelm Meyer-Pfeiffer; Bildnachweis: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn, SP 94-1-1

Die Briefe von Ruth Herz sind eine wichtige Quelle zur NS-Zeit in Bonn. 1925 wurde Ruth in Beuel geboren. Ihr Vater Max Herz hatte ein Geschäft für Eisenwaren. Ruth besuchte als Jüdin die evangelische Volksschule und lebte mit ihren Eltern und ihrem Bruder Rafael in einem Haus in der Combahnstraße. Wegen der Ausgrenzung in der NS-Zeit verließen immer mehr Verwandte Deutschland.

Max Herz machte sich große Sorgen um seinen Sohn Rafael. Von einer Krankheit als Kleinkind hatte sich dieser nie ganz erholt. Damit war er gleich aus zwei Gründen durch die Nationalsozialisten bedroht. Max Herz konnte für Rafael eine Ausreise zu Verwandten nach Palästina erreichen. Der Rest der Familie wollte bald nachkommen.

Doch 1941 mussten sie Beuel verlassen und nach Endenich ziehen. Dort war ein Kloster zu einem Ghetto für Jüdinnen und Juden umgewandelt worden. Viele Menschen mussten dort auf engem Raum leben. Alle machten sich Sorgen um die Zukunft. Wer gesund genug war, musste zur Zwangsarbeit antreten. Auch Ruth Herz musste arbeiten. Sie wurde in einer Fabrik für Wandplatten in Witterschlick eingesetzt. Ihr Onkel Theo war in deutscher Kriegsgefangenschaft. An ihn schrieb sie Briefe, in denen sie über das Leben in Endenich und die Zwangsarbeit berichtete. Sie spricht über ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft in Palästina und eine baldige Flucht. Der Traum der Familie von einem Wiedersehen erfüllte sich nicht. Ruth Herz und ihre Eltern wurden im Juli 1942 nach Minsk deportiert und im nahen Malyj Trostenez ermordet. Sie wurde nur 17 Jahre alt.