Bonn Zentrum · Station 6

Stolpersteine Lydia und Karl Michael Franz

Am Nesselroderhof 4, Bonn

Lydia und Karl Michael Franz — Copyright: [Anonym/Unbekannter Fotograf]; Bildnachweis: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn, SP 494-1-3a

Lydia Franz wurde am 19.01.1920 in Schönfeld in Sachsen geboren. Sie lebte mit ihrer Familie seit Mitte der 1930er in der Bonner Engeltalstr. 6. Das Haus lag in der „Kuhl“, einem Arbeiterviertel. Dort waren die Wohnkosten bezahlbarer als in anderen Vierteln. Im Haus lebten auch einige andere Sinti. Lydia Franz wohnte dort, bis sie mit ihrem Partner Karl zusammenzog. Karl wohnte bis dahin nur wenige Häuser weiter in der Hausnummer Siebzehn und war kein Sinto.

In der neuen Wohnung war das Zusammenleben beengt. Neben Lydia Franz und Karl lebten auch dessen Mutter und der am 31.07.1939 geborene Sohn Karl Michael in der Vier-Zimmer-Wohnung. Den Eltern war es aufgrund der „Nürnberger Gesetze“ untersagt zu heiraten. Die Nationalsozialisten wollten Beziehungen zwischen Sinti und Nicht-Sinti verhindern und drohten mit Strafen. Lydia Franz Partner wurde mehrmals von der Gestapo verhört und mit der Einlieferung in ein KZ bedroht, sollte er die Beziehung nicht beenden. Karl ließ sich nicht beirren und hielt zu seiner Partnerin. Beide Elternteile waren berufstätig. Wenn Karl Michael Betreuung benötigte, kümmerte sich seine Großmutter um ihn.

Inzwischen hatten die von den Nationalsozialisten geplanten Deportationen von Sinti und Roma in die Konzentrationslager begonnen. Insbesondere nach Auschwitz, wo ein eigener Lagerbereich für sie eingerichtet wurde, gingen Transporte ab. Am 11. März 1943 wurden Lydia Franz und ihr dreijähriger Sohn in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Lydia Franz starb dort am 26.11.1943, ihr Sohn Karl Michael am 29.12.1943.