Bonn Zentrum · Station 5

Ehemaliges Wohnhaus von Heinrich Knauf

Heerstraße 15, Bonn

„Schwarzer Winkel“ zur Kennzeichnung von als „asozial“ Verfolgten in den Konzentrationslagern — Copyright: Gemeinfrei; Bildnachweis: Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte

Heinrich Knauf wurde 1919 in Bonn geboren. 1921 starb seine Mutter. Sein jähzorniger Vater war mehr an seinen Tauben interessiert. Heinrich brach die Schule ab, bettelte oder stahl Kleinigkeiten. Mit 10 kam er in ein Heim nach Dormagen. Die Akten nennen ihn abfällig „blöd“ und „beschränkt“.

1934 zog Heinrich zur Schwester nach Bonn. Ihr Mann und Heinrich wurden arbeitslos. Er musste zurück. Eine Lehre und andere Arbeitsverhältnisse brach er ab. Im Heim galt er als arbeitsscheu und spielte Streiche. Bei der Arbeit erfuhr er Gewalt und Drohungen und wurde ausgenutzt.

1938 kam Knauf zum „Reichsarbeitsdienst“, wehrte sich und rief „Leckt mich am Arsch“ und „Schmeißt mich raus“. Eine Flucht scheiterte. Knauf schnitt sich die Pulsader auf, was man als „theatralischen Selbstmordversuch“ abtat.

Im Juni kam er in die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Bonn. Dort nannten ihn die Ärzte wegen Aufmüpfigkeit einen „schweren Psychopathen“. Knauf wurde unfruchtbar gemacht. „Angeborener Schwachsinn“ war die Begründung. Das war medizinisch unzutreffend, aber die Ärzte verwiesen auf die schwierige Familie.

Ohne Grundlage beantragte die Klinik „Vorbeugehaft“. Knauf war lästig, las lieber oder spielte Streiche als zu arbeiten. Man forderte eine Deportation. Er sei „im höchsten Grade asozial“, eine „rassenhygienisch unerwünschte Type“. Tatsächlich kam er in Haft.

Am 05.01.1939 wurde Knauf in das KZ Buchenwald deportiert. Nach drei Jahren durfte er zurück und fand Arbeit. Bei Kündigung drohte KZ-Haft. Für Knauf wurde beschleunigte Musterung beantragt, er solle „einer der ersten sein“. Doch Knauf überlebte als Soldat.