Bonn Zentrum · Station 1

Ehemaliges Wohnhaus von Hans Maly

Gruppenbild der „Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ — Copyright: Gemeinfrei; Bildnachweis: Staatsarchiv Hamburg, 213-12 Staatsanwaltschaft Landgericht – Nationalsozialistische Gewaltverbrechen (NSG), Nr. 14 Bd. 7, S. 3696

Bis zum Leiter der Kriminalpolizei brachte es Hans Maly nach 1945 in Bonn. Schon ab 1932 war er Teil der Kölner Kriminalpolizei. Später wurde er sogar ins Reichskriminalpolizeiamt nach Berlin befördert. Sein Chef dort war Reinhard Heydrich, einer der Haupt-Organisatoren des Holocaust. Auch Hans Maly unterstützte die Politik der Nationalsozialisten und trat der NSDAP und der SS bei. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er nach Den Haag in die Niederlande versetzt. Dort setzte er Zwangsmaßnahmen gegen die niederländische Bevölkerung um.

1943 kehrte er nach Deutschland zurück. Seine neue Aufgabe im „Reichskriminalpolizeiamt“ war die Organisation von Unfruchtbarmachungen gegen Sinti und Roma und deren Deportation in Konzentrationslager. Für die Betroffenen bedeutete das meist den sicheren Tod.

Trotzdem wurde er nach zwei Jahren Haft durch die Alliierten schon ab 1948 wieder in der Kölner Polizei eingesetzt. 1953 wechselte er als Leiter der Kriminalpolizei nach Bonn. Fünf Jahre später wurde seine Vergangenheit bekannt. Maly wurde seines Amtes enthoben. Doch das Verfahren gegen ihn zog sich hin. So starb er 1971 ohne in der Bundesrepublik je für seine Taten verurteilt worden zu sein. Überraschen kann das kaum: Der Beamte, der die Ermittlungen gegen Maly leitete, war selbst früher ranghoher NS-Funktionär gewesen. Mit Maly war er Teil eines Düsseldorfer Stammtisches, bei dem sich ehemalige Nationalsozialisten auch nach 1945 trafen.